Mein Hermesbote ist mir der liebste Paketzusteller aller Paketzustellerdienste. Er ist schon älter, halt lange weiße Haare und er ist immer hoch motiviert. In der Weihnachtszeit schon kam er schnell die Treppen hinaufgestampft – nicht so wie die anderen Kerle, die scheinbar absichtlich langsam gingen, damit ich ihnen viel entgegen laufen konnte. Doch ich lief niemandem entgegen. Mein Bauch verkomplizierte alle Treppensteigereien.
Als ich dem Hermesboten einmal doch entgegenkam, schüttelte er den Kopf. Er nannte mich beim Namen und sagte streng: “Ich kenne doch ihre Umstände…!” Auf einmal war ich nicht mehr nur eine Kundin, er war nicht mehr nur ein Paketzusteller, sondern eine Beziehung war entstanden. Ab diesem Tag freute ich mich immer besonders über Hermes-Paket. Sie wurden mir am komfortabelsten zugestellt – ganz ohne schlechtes Gewissen für die viele Treppensteigerei.
Als sich meine Umstände geändert hatten, wurden – ganz wie in der Weihnachtszeit – wieder vermehrt Pakete zugestellt. Als der Hermesbote das erste Mal nach Entbindung klingelte, lief ich ihm wieder eine halbe Treppe entgegen und verkündete ihm die frohe Botschaft! Es war bitter kalt draußen, der Hermesbote hatte Handschuhe an und seine Haare waren von Eiszapfen geziert. Ich fragte ihn, ob er mal schauen wolle? “Oh, wenn ich darf…”
Bei der nächsten Zustellung schenkte ich ihm eine Schokolade. Er wird sich wundern, was das alles soll – er tut doch nur seinen Job! Aber ich freue mich jedes Mal – das ist mir mindestens eine Schokolade wert!
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