Das ist die längste Schwangerschaft, die ich je hatte. Schon beginnen die neuen ersten Male. Das ist schön. Und aufregend. Jetzt heißt es: Loslassen. In der Schwangerschaft hat man noch deutlich mehr Kontrolle über das Leben mit dem Kind, als ab der Geburt. Noch kann ich meine Schlaf- und Wachzeiten selbst bestimmen. Das Baby ist immer dabei, aber nur passiv. Dennoch: Langsam stört der Bauch und schränkt mich ein. Ich bin die Schwangerschaft leid und will das Baby sehen und wirklich anfassen; nicht nur durch die Bauchdecke! Zudem denke ich, dass die Geburt mit zunehmendem Alter und also Größe des Kleinen anstrengender wird – also lieber diese als nächste Woche!
Loslassen also. Mich der ungewissen Herausforderung stellen, die nach der behutsamen Zeit der Schwangerschaft auf mich wartet. Bereit sein für die neuen Entscheidungen. Aber vor allem: Nicht nur mein Kind gebären. Auch das (Ur-)Enkelkind, den Neffen, den neuen Nachbarn, das Patenkind. Bis jetzt existiere vor allem ich für das Kind. Nach der Geburt werden da so viele Menschen sein, die teilhaben wollen an meinem Glück. Wie werde ich deren, meine und die Ansprüche des Kindes vereinbaren können? Es wird noch viele Male geben, an denen ich mein Kind in die große weite Welt schicken werde ohne zu wissen, wie es dort empfangen wird und das empfindet. Aber das erste Mal ist ja bekanntlich nie das einfachste…
