Archiv für Februar 2011

h1

Wachstum

28. Februar 2011

Umdenken. Nicht jedes Wachstum ist erstrebenswert. Nicht jedes Wachstum ist Fortschritt.

Lange galt wirtschaftliches Wachstum als Fortschritt, viele Marktradiakle glauben noch immer daran, dass, wenn der Markt die gesellschaftliche Ungleichheit hervorbringt, dies als Fortschritt bezeichnet werden sollte.

Die deutsche Sozialdemokratie koppelt Wachstum an einen neuen Fortschrittsgedanken: “Wachsen soll, was die Gesellschaft zusammenhält, schrumpfen soll, was sie spaltet.” (Erhard Eppler im Vorwärts 02/2011, S. 5). Dies entspricht den Erkenntnissen, die 2009 in England bestätigt wurden: In Industrieländern nimmt die Lebensqualität in dem Maße ab, wie die ökonomische Ungleichheit zunimmmt. “Wenn humaner Fortschritt ist, was zum besseren Leben führt, dann ist verminderte Ungleichheit, sozialer Ausgleich, soziale Gerechtigkeit ein Zugang zu diesem Fortschritt.” (ebd.)

Es ist sehr zu hoffen, dass dieser neue, richtige Fortschrittsgedanke die aktuellen und zukünftigen Wachstums-Diskussionen prägt. Dabei darf nicht nur über Deutschland gesprochen werden, sondern die ganze Welt sollte berücksichtigt werden: Auch die Ungleichheiten zwischen Nationen und Kontinenten vermindern die Lebensqualität aller.

h1

Eisig

27. Februar 2011

h1

Reiche Stadt – done √

26. Februar 2011

Ich habe es angekündigt und es geschah: Ich war Gast auf dem 65. Geburtstag eines Stadtrats. Die Einladung war für 17:00h ausgestellt; als ich pünktlich erschien, war ich keinesfalls eine der ersten.

Der Mann, der mir die Tür zum Römer öffnete, schaute etwas ungläubig – schnell verstand ich, wieso: Ich war völlig underdressed. In Turnschuhen und Jeans fiel ich deutlich aus dem Rahmen der Blazer-, Kostüm- und Anzugfraktion.

Auf der Treppe hinab in den Saal hatte sich eine Schlange von Geburtstagsgästen gebildet. Langsam schritt man Schritt für Schritt dem “Geburtstagskind” entgegen. Es hatte was von Titanic. Der Stadtrat freute sich über meine Glückwünsche; nachdem ich ihm gratuliert hatte, schüttelte ich auch seiner Frau und Tochter die Hand, so wie jeder vor mir.

Bald ging es mit den Reden los, die Oberbürgermeisterin ließ sich entschuldigen und eine andere Dame sprechen. Diese fasste die Vita des “Geburtstagskindes” zusammen, was wirklich beeindruckend war: Seine Mutter war mit 25 Witwe mit 3 Kindern geworden und so musste das “Geburtstagskind” als einziger Sohn mit 10 Jahren helfen, die Familie zu ernähren. Bald reiste die Mutter aus Spanien nach Deutschland aus und ließ die Kinder bei der Großmutter. Das “Geburtstagskind”, mittlerweile 17, wollte sie besuchen fahren und kam in Frankfurt an. Als Gastarbeiter landete er bei HochTief und kehrte nicht mehr nach Spanien zurück, sondern trat in die SPD ein, aus der Ferne hoffend, dass sich Spanien demokratisieren würde.

Die dann folgenden kommunalpolitischen Errungenschaften bezogen sich hauptsächlich auf den Einsatz für die Interessen von Migranten, wofür das “Geburtstagskind” höchste Anerkennung zu genießen scheint. Die Dame, die die Rede hielt, unterstrich am Ende vor allem, wie groß auch der Verdienst der Frau des “Geburtstagskindes” in dessen Schaffen und Wirken sei.

Nach dieser ersten Rede sprach jemand vom spanischen Konsulat, zu meinem Bedauern auf Deutsch. Mein Rücken (und meine Füße aufgrund ungleichmäßiger Belastung) wurde müde und ich lehnte mich an die Wand. Nun redete noch kurz ein Landtagsabgeordneter der SPD Frankfurt und unterstütze die Lobpreisungen der Frau des “Geburtstagskinds”. Zu guter Letzt sprach das “Geburtstagskind” selbst und bedankte sich auch ausführlich bei seiner Frau.

Die Reden waren gehalten, das Publikum müde, es gab Sekt, Saft und Wasser. Mitten im Raum stand ein großer Korb mit Laugengebäck, von dem sich alle bedienen durften.

Die Verköstigung ließ damit meiner Meinung nach ein bisschen zu wünschen übrig. Ich habe immernoch nicht verstanden, warum die Ehefrau so exponiert dargestellt wurde, sie hat nämlich durchaus einen eigenen Beruf, den sie wohl mit Ansehen ausübt.

Nach 1 1/2 Stunden begannen die Gäste sich zu verabschieden und ich tat es auch. War ne nette Feier und ich finde das “Geburtstagskind” hatte es echt verdient so beehrt zu werden.

h1

Libyen

25. Februar 2011

Was ist da los? Ich schaffe es nicht, den Enthusiasmus, der sich durch die Revolution in Tunesien auf den Sturz von Mugabe in Ägypten übertragen hat, auf die sicher mindestens genauso spannenden und wichtigen Geschehnisse in Libyen zu übertragen. Dabei ist es viel schlimmer, wie Gaddafi auf die revolutionären Aufstände reagiert und das libysche Volk behandelt.

Wie geht es euch? Ich habe mal gelernt, dass der Mensch sich immer irgendwie ausrichten muss, eine Normalität braucht. Haben wir einen Freiheitskampf-Overkill? Können wir das in unseren Alltag nicht mehr einbauen? Oder fehlen einfach nur die Bilder? Auf Twitter sind die Topthemen “Libia”, “Gaddafi”, “Tripoli”. Aber die Anzahl der neuen Tweets pro Minute bleibt überschaubar.

Ist die Welt einfach zu groß? Muss ich mir eingestehen, dass ich nicht die Kapazitäten habe, für alles Interesse zu entwickeln und es emotional mitzuverfolgen? Es wäre ein schwer zu akzeptierendes Eingeständnis, aber ich denke, es läuft darauf hinaus. Denn selbst wenn ich Libyen noch verfolgte – es wären immernoch zu viele Ereignisse, die ich ausblende.

h1

Teammeeting

24. Februar 2011

Upload im Tool – Motiv-Report auf Placement-Ebene – Added Value – CTR – Call mit dem Kunden – Involvement auf der Seite – Viewtime – wie erfährt Search davon – Analysten im CC – Unit – worst case hatten wir schon – Just do it – Performance – neue Creatives – beim Kickoff reinbriefen – Keywords austauschen – dann ist das fine – Reminder-System – To-Do-Liste – Interface – Workflow – Mio’s – Wording – Online ist ein Live-Media – Optimieren – Verfügbarkeiten – unser beider Message – Schreiben für Controller – wir sind safer – verformeln – händisch ändern – Goodie anbieten – im nächsten Flight reinvestieren – Key-Account – Da bin ich bei dir – offizielles Paper – Server ist down – Spotlight tracking – Charts für Präsentation generieren – Tool-Arbeitsoberfläche mit vielen Funktionalitäten – mehr Traffic – Das Problem sitzt oft zwischen den Ohren – Optimierungszyklen – Please buy – Es ist ein Schmerz

h1

Doktortitel

23. Februar 2011

Die Diskussion über den Doktortitel des Herrn Karl-Theodor zu Guttenberg ist in aller Munde. Dabei merke ich, dass es gar nicht klar ist, und auch unterschiedlich bewertet werden sollte, worüber gestritten wird: Über den akademischen Grad des Karl-Theodor, über den des Verteidigungsministers oder über das Plagiieren eines Politikers?!

Für mich ist die Sache ziemlich klar:

1. Karl-Theodor zu Guttenberg ist wissenschaftlich unfähig. Für seine erbärmliche Leistung hat er ein Summa cum laude erhalten – welche Rolle spielte das “zu” in seinem Namen für die Note?

2. Für Karl-Theodor zu Guttenberg war es ziemlich wichtig, einen Doktortitel zu erhalten, sonst hätte er nicht sieben Jahre daran gesessen und sich das Leben damit erschwert.

3. Die Leistung des Verteidigungsministers steht nicht direkt mit dem (wissenschaftlich korrekten) Verfassen einer Jura-Dissertation in Relation.

4. Karl-Theodor zu Guttenberg wäre nicht, wo er heute ist, hätte er das Dr. nicht vor seinem Namen geführt, also wäre er auch kein Verteidigungsminister geworden. Aber dort, wo er jetzt steht, braucht er seinen Doktortitel womöglich wirklich nicht mehr.

5. Der Herr Verteidigungsminister hat sieben Jahre seines Lebens für etwas geopfert, dessen Ergebnis das gleiche gewesen wäre, wenn er nichts dafür gemacht hätte. Das sagt durchaus etwas über seine politischen Qualitäten aus.

6. Es ist nicht egal, was der deutsche Verteidigungsminister vor seiner Ernennung zu ebendiesem gemacht hat und wie er sich an offizielle Anforderungen gehalten hat. Es ist nicht egal, ob er ohne Titel genauso ein Verteidigungsminister wäre, wie ohne. Es geht darum, dass er auf unredliche, unverdiente, unehrliche Weise einen Doktortitel erhalten hat und sich dafür noch nicht mal schämt.

PS: Zwischenzeitlich ist mir die ursprüngliche Rezension zugespielt worden, die den Wirbel ausgelöst haben soll. Die Rezension musste wohl auf Druck des Verlages vom Server genommen werden. Glücklicherweise hatte meine geheime Quelle sie noch im Browser-Cache hängen. Ein kurzer Auszug: “Der wissenschaftliche Ertrag der Arbeit ist bescheiden. Das liegt vor allem daran, dass der Autor seinen Verfassungsbegriff nicht hinreichend entfaltet und damit weit hinter der wissenschaftlichen Diskussion zurückbleibt. Zu Guttenbergs Argumentation mäandert vor sich hin und zermürbt die Leserinnen durch seitenlanges Politsprech und die Nacherzählung rechtspolitischer Diskussionen im Konvent. Der Autor macht auch nicht ansatzweise deutlich, worin der aktuelle Erkenntniswert der seitenlangen Dokumentation zu den Gottesbezügen in Verfassungstexten liegt. Das Gesamturteil „summa cum laude“ erscheint darum mehr als schmeichelhaft.
Widersteht man dem Impuls, die Arbeit mangels Substanz nach einer ersten Durchsicht gelangweilt aus der Hand zu legen und liest man etwas genauer hinein, dann zeigen sich einige formelle Auffälligkeiten. Zu Guttenberg bedient sich bei einer ganzen Reihe von Texten und Autor_innen, ohne die Fremdzitate lege artis kenntlich zu machen.” (Quelle: Fischer-Lescano, Andreas (2011): “Karl-Theodor Frhr. zu Guttenberg, Verfassung und Verfassungsvertrag.  Konstitutionelle Entwicklungsstufen in den USA und der EU, Berlin (Duncker & Humblot) 2009, 475 S., 88,- €”. In: Kritische Justiz, Heft 1, 44. Jahrgang, S. 112 – 114.)

h1

Kulanz

22. Februar 2011

Mahnung erhalten. Rechnung erhöht sich um Mahngebühren und Säumniszuschlag, insgesamt über 50 Euro plus! Jedoch: Nie habe ich die dazugehörige Rechnung erhalten. Frage: Hol- oder Bringschuld?

Ich rufe beim Rechnungssteller an und erkläre das Problem: Ohne Rechnung konnte ich nichts bezahlen. Bitte bitte, ich will die Gebühren nicht zahlen. Antwort: “Schriftlich einreichen, muss meine Vorgesetzte entscheiden!”

Sofort begleiche ich den Rechnungsbetrag (ohne Mahngebühren und Säumniszuschlag); da wir die gleiche Bank haben, kommt das Geld sogleich beim Rechnungssteller an. Ich setze einen Brief auf, betone, dass mir eine Rechnung nie zugestellt wurde, ebenso wenig eine Zahlungserinnerung. Ergänze, dass ich alle Rechnungen zum gleichen Thema ohne Verzögerung beglichen habe. Widerspreche der erhöhten Forderung. Verschicke das Dokument per Einschreiben und erkundige mich beim Postangestellten: Er bestätigt mir, dass mir ohne Einschreibenschein nicht nachgewiesen werden könnte, dass die Rechnung verschickt wurde, ich also im Recht sei.

Wenig später die Antwort: Das Landesgesetz findet, dass eine Rechnung drei Tage nach Verschicken als zugestellt gilt. Ich habe nicht gegen das Gesetz widersprochen. Dennoch werden mir die Zusatzgebühren aus Kulanz erlassen.

Ich bin erleichtert und schreibe der Entscheiderin und Sachbearbeiterin eine Email um mich für die Kulanz zu bedanken und ihnen zu bescheinigen, dass sie damit aktiv gegen das Vorurteil der sturen Behördenangestellten gehandelt haben.

h1

Black Swan

21. Februar 2011

Der Film zieht viele Tanzfans an, die die gewohnte Story geboten bekommen: Physischer und psychischer Druck an der renommierten Ballettschule, die Hauptdarstellerin Nina bekommt die Hauptrolle des weißen und schwarzen Schwans. Doch jetzt kommt nicht die typische Liebesgeschichte, sondern die neue Art, dieses Thema zu behandeln: Psychothriller.

Natalie Portman spielt die Nina grandios, alles andere macht eher Angst: Ninas psychischer Stress äußert sich in Halluzinationen und Selbstverletzungen. Der Regisseur Darren Aronofsky schafft es, dass das Erwarten der nächsten Halluzination zu Horror pur wird. Überall vermutet der Zuschauer ein erschreckendes Bild. Möglichkeiten für Schrecken gibt es genug: Dadurch, dass Nina die Rolle des schwarzen (bösen!) Schwans zu verkörpern lernen muss, entdeckt sie das Böse in sich und alles um sie herum verändert sich dementsprechen.

Ninas Verhältnis zu ihrer Mutter war schon vorher total gestört, doch jetzt wird das Liebevolle durch Misstrauen ersetzt. Ninas bisher prüdes Leben entwickelt sich auf einmal durch erzwungene Leidenschaft zu unkontrollierter Macht. Die neue Tanzkollegin, Lily, könnte den schwarzen Schwan perfekt verkörpern; deswegen ist sie die gefürchtete Konkurrentin und übt gleichzeitig eine große Anziehungskraft auf Nina aus.

Diese persönlichen Ebenen werden ergänzt durch die psychische Gewalt, die durch Ninas (eingebildete?) Selbstverletztungen entsteht. Wie in Requiem for a Dream ist dies wohl eine Form von gewollter Ästhethik, die dem Regisseur gefällt, obwohl man sich fragt, ob der Film das unbedingte Draufhalten der Kamera wirklich braucht. Im Kino geht an einer Stelle ein Schreien durch alle Reihen, irgendwann weiß der Zuschauer, dass er nicht bei jeder Szene hinschauen will/muss.

Das Ende ist Ninas Tod nach der Premiere: Sie tanzte perfekt, weil sie sich selbst verletzt hat und erst dadurch die beste Leistung liefern konnte. Insofern kann man die Moral von der Geschichte ruhig annehmen: Perfektion ist nicht um jeden Preis erstrebenswert.

h1

See

20. Februar 2011

h1

Stadtwald

19. Februar 2011

Der Frankfurter Stadtwald ist 4.800 Hektar groß, er nimmt 24% der Stadtfläche Frankfurts ein und darf ohne Nachpflanzen nicht abgeholzt werden, weil er als grüne Lunge Hessens gilt.

Würde der Stadtwald im gleichen Tempo gerodet werden, wie es dem Urwald täglich geschieht, stünde nach 7 Stunden kein Baum mehr.

Follow

Bekomme jeden neuen Artikel in deinen Posteingang.