Ein schwarz-weißer Stummfilm zu Zeiten von 3D, Hightech und Special Effects. Und dann gewinnt der auch noch drei Golden Globes! Als ich mit meiner liebsten Begleitung die Karten für diesen Film an der Kinokasse bezahle, beglückwunscht uns die Kassiererin: „Eine sehr gute Wahl!“ Der Film läuft in dem Kino im größten Saal, obwohl dieser nicht besonders voll wird – aber die Kinoleitung hat sich entschlossen, dem Film eine angemessene Plattform zu bieten. Ich bin stolz auf das Kino und auf mich, dass ich mich diesem Filmexperiment aussetze.
Der Film handelt vom Stummfilmdarsteller George Valentin, dessen Karriere abrupt endet, als der Ton bzw. die Stimme Einzug ins Kino erhält. In der Geschichte ist es dann die Frau, die den Mann rettet: Peggy Miller schafft es dank ihrer steilen Karriere George Valentin wieder vor die Kamera zu holen – die beiden erfinden kurzerhand die Tanzrevue.
The Artist ist schön anzuschauen, nicht so anstrengend, schnell und reizüberflutend wie andere aktuelle Filme. Die Geschichte ist nett, aber das Besondere ist die ironische Reflektion über die Einführung der Sprache in den Film und ich als Zuschauerin frage mich: Womit kann man das vergleichen? Ist die Sprache wie die Farbe für den Film oder wie 3D? Welche Erneuerungen in der Kinobranche lassen sich mit der Revolution vergleichen, als der Stummfilm starb? Ich denke, dass weder die Farbe, noch die 3D-Technik einen so großen Umbrauch darstellen, wie es die Einführung der Sprache schaffte.
Kino ist immer auch der Versuch, die Realität abzubilden. Mit der Sprache wurde zwar nicht der Hörsinn neu in das Kinoerlebnis eingebunden (denn der Stummfilm wurde von Filmmusik begleitet), aber dennoch wurden die Darsteller wesentlich realistischer, authentischer. Sie mussten weniger spielen und konnten mehr sein – auch das wird in The Artist deutlich. Die Farbe hat den visuellen Eindruck verschärft, aber nichts grundsätzlich geändert. Die 3D-Technik ist und bleibt eine Illusion, die das Zuschauererlebnis auch nur rudimentär aufwertet.
Vergleichbar mit der Einführung der Sprache müsste also die Erschließung eines weiteren Sinnes sein: Der Geruchssinn zum Beispiel. Wenn es im Kinosaal so riecht wie in der Szene auf der Leinwand – dann sind die Zuschauer noch mehr mittendrin, statt nur dabei.

